Weiss gefasste Skulpturen und Ausstattungen

Technologie - Quellen - Bedeutung

Dissertation von Frau Dr. dis. Melissa Speckhardt, auch mit Untersuchungen am Orgelprospekt von Coudray und seiner Rastenberger Kirche.

VORWORT

Vom 17. bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts spielen weiß gefasste Innenräume und weiße Skulpturen eine bedeutende Rolle in repräsentativen sakralen wie profanen Bauten. Man schätzt das Verhältnis von Licht und Schatten, das auf weißen Flächen am intensivsten zu erleben ist, sei es beim Spiel des Lichts, das in den konkaven und konvexen Kurvaturen der Architektur eine Fülle von Nuancen entfaltet, sei es bei der Formgebung von Skulpturen mit ihren teils glänzenden, teils matten Oberflächen. In Verbindung mit der differenzierten Lichtregie und der Erkenntnis, welche Feinheiten der Abstufung die Farbe Weiß liefert, wurden die Innenräume auf die Modellierungsvielfalt des Weißen hin abgestimmt, wobei zusätzlich der gezielte Einsatz von Oberflächenglanz die Wirkung steigern half. Die Innenausttattung der Rastenberger Kirche - insbesondere das Orgelprospekt - stellt ein hochwertiges Beispiel für Weißfassungen des frühen 19. Jahrhunderts dar, welche insgesamt nur unzureichend untersucht sind. Der durch Schlichtheit und Eleganz ausgezeichnete Klassizismus ist hier in seiner reinen Form ablesbar und gleichzeitig entsprechen Technologie und die Qualität der Ausführung der des 18. Jahrhunderts.

Das Buch beinhaltet eine sehr umfangreiche Quellen- bzw. Rezeptsammlung zu Weißpigmenten und zur Herstellung von Weißfassungen von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert, zusammengestellt aus naturwissenschaftlichen Abhandlungen, Künstlerhandbüchern und Architekturbeschreibungen. Die Sammlung wird ergänzt durch Analyseergebnisse aus restauratorischen Untersuchungen und Archivalien, die die bisher stets in der Literatur dominierenden theoretischen Überlegungen konkret mit verwendeten Materialien in Verbindung bringen. Dem Thema der Schattengebung ist ein eigenes Kapitel gewidme

ISBN 978-3-86568-850-7

Preis: 69,00 €

AUSZUG

S. 175-176:

"Der ursprüngliche Fassungsaufbau von 1828 am Orgelprospekt besteht aus zwei bis drei Kreideschichten, deren Oberfläche sehr akkurat mit einem Stein hochglänzend poliert wurde.[1]  Einzelne Hinweise lassen auf die Anwesenheit eines öligen Bindemittels schließen. Zu vermuten ist eine Tempera mit öligen Anteilen. Die Art der Ausführung in Rastenberg weist eine sehr hohe künstlerische und handwerkliche Qualität auf, wie dies ebenfalls an den bedeutendsten Werken der Barock- und Rokoko festzustellen ist.

Der einzig zusätzliche andersfarbige Akzent innerhalb der Orgelfassung befindet sich im Bereich des Spieltisches an den ovalen Flächen mit den Registerzügen, rechts und links der Tastatur, mit brauner Lasur. Diese Art der Gestaltung erscheint für Schulze-Orgeln charakteristisch zu sein."

[1] Vgl. Anhang 5.9. Rastenberg Mikroskopischer Querschliff der Probe 01 und REM-Mapping

 

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