Rettung für eine alte Dame

Gründung eines Fördervereins zum Erhalt der Schulze-Orgel in Rastenberg geplant / Sanierung notwendig.

Man sieht es ihr nicht an. Aber die Königin der Instrumente in der Rastenberger Kirche schwächelt. Das hat zum einen mit ihrem Alter und zum anderen mit äußeren Umständen zu tun. Über einen Förderverein soll nun der Schulze-Orgel zu einer umfassenderen Restaurierung verholfen werden. Diese Woche soll der Verein gegründet werden. 

Von Anett Hädrich 

RASTENBERG.
Coudray Kirche RastenbergIn das Spiel auf der gut 180 Jahre alten Orgel mischt sich so mancher Heuler. Und manchmal kommt bei einem bestimmten Ton nur heiße Luft statt ein schöner Klang. Das ist nicht nur für das musikalisch geschulte Ohr von Kantorin Carolin Bergann vernehmbar. "Etliche Register sind nicht mehr nutzbar, der Posaunenbass fehlt gänzlich", nennt die Kantorin einige der "Krankheiten", an der die Orgel leidet. "Und von der schadhaften Decke über der Orgel bröckelt Putz in und zwischen die Pfeifen", ergänzt Pfarrer Christian Plötner.

Der Orgel muss geholfen werden. Zumal sie aus der Werkstatt der berühmten Orgelbauer-Familie Schulze aus Paulinzella stammt. Und, was sie noch besonders wertvoll macht: "Die Orgel ist in großen Teilen noch original erhalten. In den vergangenen 180 Jahren wurde sie nicht groß verändert." Auch darauf weisen die Kantorin und der Pfarrer in den Informationsblättern hin, in denen die gegenwärtige Situation geschildert und Interessierte zur Gründung eines Fördervereins zur Erhaltung der Schulze-Orgel eingeladen werden. Termin ist der kommende Freitag (13. August), 19 Uhr, im Gemeinderaum der evangelischen Kirchgemeinde. "Wir suchen Mitglieder, die sich das Projekt Orgelsanierung mit zu eigen machen können", so die beiden. Nachdem schon 1999 erste Angebote für eine Restaurierung eingeholt, das Projekt aber aus finanziellen Gründen noch einmal verschoben wurde, soll die umfangreiche Aufgabe jetzt in Angriff genommen werden. "Als ich hierher nach Rastenberg kam, war schon etliches an Vorlauf geleistet", erzählt Christian Plötner. Rund 160 000 Euro, so ist es geschätzt, kostet die Restaurierung unter anderem mit neuem Gebläse und der Überarbeitung des Pfeifenwerkes (zirka 1100 Pfeifen sind es insgesamt).

Rettung einer alten Dame"Ziel des Fördervereins ist es, gemeinsam Gelder zu akquirieren, die Restaurierung zu begleiten und die kirchenmusikalische Arbeit zu unterstützen", umreißen Pfarrer und Kantorin die Aufgaben, die sich der künftige Orgelförderverein Coudray-Kirche Rastenberg stellt. Der Architekt der Kirche, Clemens Wenzeslaus Coudray, soll übrigens auch den Orgelprospekt entworfen haben. Um finanzielle Unterstützung für die Orgelrestaurierung nachgefragt wurde u. a. bereits bei der Landeskirche, der Sparkassenstiftung und der Stadt Rastenberg, berichtet die Kantorin. Und Ideen, wie man das große Projekt noch unterstützen kann, gibt es bereits. Mit einem Orgelbrand. Aber im Gegensatz zum richtigen Brand soll dieser als Spirituose aus Äpfeln oder Birnen der Rastenberger Flur Gutes für das Instrument bringen. Nämlich aus dem Verkauf einen schönen Anteil für die Sanierung der Königin der Instrumente, hofft der Pfarrer, der auch schon mit einem Fachmann für Obstbrände Kontakt aufgenommen hat. "Für die Umsetzung sind wir auf Obstspenden von den Rastenbergern angewiesen. Gebraucht werden etwa 600 Kilo Äpfel oder Birnen", so Plötner. Auch wenn heuer kein so gutes Apfeljahr ist, weiß er.

Autor: 
Anett Hädrich
Veröffentlich am: 
9.8.2010
Veröffentlicht in: 
Thüringer Allgemeine / Sömmerd