Orgelprospekt

Rückführung des von Coudray entworfenen Orgelprospektes der Schulze-Orgel in die ursprüngliche Farbigkeit

Eine Beschreibung zum Orgelprospekt von Frau Dr. Melissa Speckhardt:

Der Innenraum zeichnet sich durch beeindruckende Klarheit in der Formengebung aus. Er verfügt über dreiseitige, an den Längsseiten angebrachte, zweigeschossige Emporen, deren Überwölbung mit einer Holztonne über dem Mittelraum endet.
Heute präsentiert sich die Farbigkeit des Kircheninnenraumes in einem über mehrere Jahre hinweg stetig veränderten Zustand, der von der ursprünglichen Farbigkeit abweicht. Dominierend hierbei ist die nun seit den 1980er Jahren die weiß-hellblaue Farbe der Emporenfrontflächen.
Im Osten befindet sich ein zweizoniger Kanzelaltar mit dreiachsiger Pilastergliederung. Die mittlere Achse ist übergiebelt und mit einer Christusfigur bekrönt, die allerdings nicht aus der Entstehungszeit herrührt.
Erste Untersuchungen bestätigen eine klassische Ausmalung der Räume in Weiß-, Ocker- und kräftigen Grüntönen (Türen). Die Farben imitieren natürliche Werkstoffe wie unterschiedliche Steinarten. Der Kanzelaltar trägt eine großflächige Weißfassung mit ursprünglichen und heute noch sichtbaren, sehr detailliert in Ocker- und Gelbtönen aufgemalten Ornamentbändern.

An der gegenüberliegenden Seite, im Westen, thront auf der unteren Empore die große Orgel von Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella, 1827 fertiggestellt, „mit einem der schönsten klassizistischen Orgelprospekte Thüringens“1.

Der aus heimischem Nadelholz gearbeitete Orgelspropekt Schulzes verfügt sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Ausrichtung über einen dreizonigen Aufbau, der sich über zwei Gesimsabschlüsse und den mittleren Bereich mit Spieltischbereich definiert.
Sämtliche Ornamente, das Schleierwerk und beide bekrönende Engel verfügen über einen filigran gearbeitete aufgedoppelte Brettkonstruktion von nur wenigen Zentimetern. Applikationen und Architektur sind miteinander verleimt und unter anderem mit feinen Holzdübeln und Steckverbindungen verbunden.

Erstfassung und Überarbeitungen: Anhand von fotografischen Aufnahmen aus dem Jahr 1971 und restauratorischen Befunden, kann eindeutig gesagt werden, dass die ursprüngliche, rein weiße Farbigkeit des Orgelprospektes von 1826/1827 zumindest bis ins Jahr 1971 ganzflächig sichtbar und gut erhalten war. Innerhalb der Fassung gab es ursprünglich keine Differenzierungen, wie man sie heute im Bereich der Embleme und Herrscherattribute in den drei Lorbeerkränzen (Gold und Polychromie) wahrnehmen kann.
Der ursprüngliche Fassungsaufbau besteht aus mehreren Kreideschichten, deren Oberfläche mit einem Stein sehr akribisch und auf Hochglanz poliert wurde. Einzelne Hinweise lassen auf die Anwesenheit eines öligen Bindemittels schließen. Zu vermuten ist eine Tempera mit öligen Anteilen, da die originalen Schichten wasserlöslich sind.
Dunkel heben sich vom Weiß im lasierten Holzfarbton die beiden Registerflächen ab.

Die Orgel wurde laut einer Aufschrift am Aufsatz 1983-1984 mit zwei sehr dicken, unlöslichen Anstrichen versehen, die die feine und filigrane Formgebung der Schleierbretter und Ornamentik stark verunklären. Sie verursachten des Weiteren sehr viele Spannungen, sodass sich die originalen Farbschichten großflächig vom Untergrund lösten und heute lose aufstehen.

Bilder des Orgelprospekts und der Ergebnisse finden Sie Hier.

Das Thüringer Amt für Denkmalpflege und Archeologie beschäftigt sich auch mit der historischen Weißfassungen von Orgelprospekten als wirksames Gestaltungselement in Kirchen.
In der kleinen Ausarbeitung von Dipl.Restaurator Uwe Wagner zum bevorstehenden Abschluß der Orgelrestaurierung ,der 1821 von Johann Friedrich Schulze errichteten Allendorfer Orgel, wird auch auf die 1827 entstandene Orgel in Rastenberg,mit einem ursprüngliche Weißfassung des von Architekten der Kirche (Clemen Wenzeslaus Coudray) entworfenen klassizistischen Orgelprospektes, verwiesen.
Der Rastenberger Orgelprospekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem TLDA in dieser historische Glanzfassung wieder beeindrucken.
 
Die Ausarbeitung kann »Hier als PDF heruntergeladen werden.
  • 1. Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Thüringen, 2003. S. 982