Orgelbauer

Hans Elias Schulze, als Erster aus der Orgelbauerfamilie Schulze mit Lebensdaten nachweisbar, lebte von 1688 bis 1762 in Solsdorf nahe Rudolstadt und arbeitete als Tischler bzw. Orgelbauer. Aus einem Gesuch vom 19. April 1734 an seinen Landesherrn, den Fürsten Friedrich Anton von Schwarzburg-Rudolstadt, geht hervor, dass bereits der Vater Hans (Johann) Schulze Orgelbauer war und „neben kleineren Neubauten etliche Orgeln repariert hatte“. Hans Elias bat seinen Landesherrn um das Orgelmacher-Privileg: „… wie von Jugend auf neben meinem Tischler Handwerk ich auch das Orgelbauern exerciret, welches ich von meinem Vater seel erlernet hab, welcher ein guter Orgelmacher gewesen ist …“.

Von Hans Elias ist in Unterwirbach bei Rudolstadt ein heute nicht mehr vorhandener Orgelneubau von 1738 mit Rückpositiv nachweisbar.  Auch zwei Söhne von Hans Elias wurden Orgelbauer: Hans Heinrich Schulze (1716-1762) wirkte in Nottleben bei Erfurt; von ihm ist aus dem Jahr 1755 in Dachwig ein Instrument belegt, das leider ebenfalls nicht erhalten ist.
Der zweite Sohn Johann Daniel Schulze (1720-1785) wirkte in dem kleinen Ort Milbitz; von ihm und seinem Sohn Johann Andreas Schulze (Milbitz 1753-1806) sind zahlreiche Neubauten belegt, teilweise sogar erhalten. Die Orgeln in Milbitz (1780:II+P/21), Quittelsdorf (1791:II+P/21) und das prächtige Gehäuse in Oberweißbach zählen heute  zu den wichtigsten Zeugnissen thüringischer Orgelbauerkunst des 18. Jahrhunderts überhaupt. Die reichhaltige Disposition dieses letzteren – nicht erhaltenen – Werks vermag einen Eindruck zu vermitteln, in welchen Größenordnungen die Werkstatt Schulze schon zu dieser Zeit gebaut hat. Weitere Instrumente sind wenigstens in Teilen erhalten geblieben: ein zweimanualiges Werk von 1783 mit 17 Registern in Hochdorf bei Weimar und ein weiteres von 1798 (II+P/27) in Auleben im Kreis Nordhausen.
Mit Johann Friedrich Schulze (1793-1858 - 5. Generation) begann die eigentliche Blütezeit der Orgelwerkstatt, die nach seinem Tod unter der Leitung seiner Söhne weiterhin unter dem Namen „J. F. Schulze und Söhne“ firmierte und Weltgeltung erlangte.

Johann Friedrich verlor bereits 13jährig den Vater und erlernte das Orgelbauerhandwerk bei Johann Benjamin Witzmann (1782-1814) im nahe gelegenen Stadtilm (die Werkstatt in Stadtilm besteht noch immer – jetzt unter dem Namen Schönefeld). Witzmann wiederum war vermutlich ein Schüler J. Andreas Schulzes. Diese wechselseitige Lehrtradition wurde auch weiterhin gepflegt und so ging später Johann Benjamin Witzmanns Sohn August wiederum bei Johann Friedrich Schulze in die Lehre.

1815 übernahm Johann Friedrich die Werkstatt in Milbitz und verlegte sie nach etwa 10 Jahren in den kleinen Ort Paulinzella im Thüringer Wald, zwischen Rudolstadt, Stadtilm und Ilmenau gelegen.  1833 zog er ins benachbarte Mühlhausen, kehrte jedoch nach wenigen Jahren wieder nach Paulinzella zurück.  Johann Friedrich starb am 9. Januar 1858.
Seine Söhne Edmund, Oskar und Eduard übernahmen die Leitung der Firma und waren auf dem Höhepunkt ihrer Erfolge angelangt. Aufträge aus ganz Deutschland, Russland, Italien und sogar Nord- u. Südamerika waren zu erfüllen. In den kommenden Jahren folgten einige größere Neu- und Umbauten. So wurde die Hausorgel Kennedys aus Meanwood  nach einer kurzen Zwischenstation in Harrogate, durch 2 Pedalregister erweitert und in Armley aufgestellt.
Als in Paulinzella die Kunde eines Auftrages für einen Neubau  einer Orgel für die Kirche in Harrogate eintraf, starb Edmund Schulze am 13. Juli 1878.  Ein schlichter Grabstein auf dem Friedhof Paulinzella erinnert an Persönlichkeit und Tradition. Sein Bruder Oskar verstarb am 3. Dezember des gleichen Jahres, Eduard erkrankte während der Bauphase der Orgel im Februar 1880.
Von Johann Friedrich Schulze sind mehr als hundert Orgeln bekannt. Neben der Orgel von Armley rag(t)en heraus:

  • Domorgel von Bremen (erbaut 1850, mehrfach erneuert, Klangwerk völlig verloren gegangen),
  • Hauptorgel der Marienkirche zu Lübeck (1851-1854 erbaut, 1945 verbrannt),
  • Orgel im Crystal Palace der Großen Industrieausstellung von 1851 in London (erbaut durch Vermittlung von Prinz Albert of Sachsen-Coburg, Kousin und seit 1840 Ehemann der Queen Victoria. 6,2 Millionen Besucher). Der Verbleib der Orgel ist nicht bekannt.
  • Mehrere Orgelbauten für Lancashire and Yorkshire.

Die bedeutende Orgelbauerfamilie Schulze aus dem thüringischen Paulinzella

 

»Faltblatt Orgelbauer Familie Schulze Paulinzella 
Quelle: www.gemeinderottenbach.de

 

 

 

 

 

Orgelbauerlexikon von Wolfram Hackel und Uwe Pape Forschungsstand 2012

PDF - Auszug aus Lexikon norddeutscher Orgelbauer Band 2 Sachsen und Umgebung, Hrsg. Wolfram Hackel, Uwe Pape -  » Weitere Informationen über den Pape Verlag