Quo vadis Stadtkirche Rastenberg?

13.7.2015

„Wie, die Kirche soll verputzt werden? Das war sie aber noch nie!“, „Die Blau – Weiße – Musterung in der Kirche sieht gut aus, warum soll diese jetzt weg?“ oder „Unsere Kirche heißt nicht Coudray-Kirche!“ sind Aussagen, die in den letzten Wochen die Mitglieder des Orgelfördervereins in Rastenberg gehört haben. Am 17. Juli 2015 fand im Anschluss an den Bauausschuss für die Kirchenrenovierung eine öffentliche Bürgerinformation statt. Eingeladen hatten der Bürgermeister Uwe Schäfer und der Pfarrer Andreas Simon. Etwa 30 Interessierte hörten den Ausführungen der Fachleute zu und stellten ihre Fragen.

Pfarrer Jens Simon

Die Bürgerinformation begann mit der Besichtigung der Westseite unserer Kirche. Hier erklärte der Diplomrestaurator Sven Raecke den Bauzustand der Außenwand. Die Außenwände der Kirche bestehen aus glattgeschliffenen und grobbearbeiten Sandsteine die die Zwischenräume ausfüllen. Ursprünglich sollten diese Zwischenräume mit einen 2 – 5 mm starten Schlämmputz versehen werden. Dieser Schlämmputz wurde in  anderen Kirchen der damaligen Zeit aufgetragen um die Außenfassaden vor der Witterung zu schützen. Bei einer Baubegehung im Jahre 1826 wurde die Arbeit der Maurer als so gut bezeichnet, dass man auf das Verputzen verzichteten konnte (vgl. Vette, Bothe, Lobenstein, Schriftenreihe des Heimatvereins Heft 2 – 2011, S. 76 ff). Es ist gut anzunehmen, dass in Rastenberg dieser Außenputz in Folge des Ablebens des Mäzens Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach aus Geldmangel nicht aufgetragen wurde. Nach nunmehr 200 Jahren merkt man das Fehlen dieses Schutzes, der Sandstein löst sich auf und lässt Wasser und Wind durch. Das wirkt sich auf die dahinter befindliche Orgel aus. Im Herbst dieses Jahres soll nun geprüft werden welche Art von Schutz aufgetragen werden soll. Die Westseite der Kirche erhält also eine Musterachse die als Grundlage für spätere Diskussionen dienen soll.

Kirche in Rautenberg Fassade
Die Erstellung der Musterachse dient zusätzlich der Sicherung  der Fenster. Teilweise sind die schon in den 30’er Jahren des vorigen Jahrhundert renoviert worden, einige wie diese benötigen aber eine Überarbeitung. Man erkennt an dieser Fensterfront deutlich das „Fachwerkprinzip“ der Steingestaltung, glatt geschliffene Sichtsteine grenzen die Innenbereiche deutlich ab.
Besucher in der Kirche in Rastenberg
 
„Die Türen müssen noch gründlich untersucht werden.“, sagte Frau Dr. Mellisa Speckhardt. Im Rahmen ihrer Promotion fand sie heraus, dass diese einen monochromen Anstrich hatten. Das damals eingesetzte Grün muss nun noch bestätigt werden. Die monochrome Gestaltung der Türen passt sich in das Gesamtkonzept ein, welches eine einfarbig gefärbte Kirche vorsah.
Frau Dr. Speckhardt in der Kirche in Rastenberg
Frau Dr. Speckhardt erklärte dann, dass der Altar und der gegenüberliegende Orgelprospekt einer dringenden Renovierung bedürfen. In den Jahren um 1983 setzte man Holzschutzmittel und Farben ein die nicht aufeinander abgestimmt waren. Das wusste man damals nicht und nun löst sich die Farbe vom Holz. Das eingesetzte Holzschutzmittel enthielt Formaldehyd und muss nun in den kommenden Jahren aus dem Holz wieder geholt werden, sonst halten auch zukünftig keine Farben auf dem Holz.
Offene Wand in der Kirche Rastenberg
Im Rahmen der Erstellung der ersten Musterachse, wurden gestalterische Elemente vorgefunden, die vermutlich aus der Zeit der Erbauung der Kirche stammen. Diplomrestaurator Sven Raecke erklärte nun, dass dank der um 1936 stattgefunden Bausicherungsmaßnahmen der Turm und die angrenzende Ostseite der Kirche stabilisiert haben. Die damals erfolgten Maßnahmen werden nun als vorhandene Grundstruktur in das gestalterische Konzept übernommen.
Architektin Frau Löffler in der Coudray Kirche Rastenberg

Die ausführende Architektin Frau Löffler führte durch die Veranstaltung und erklärte den Gästen die geplanten einzelnen Bauphasen. So wird dieses Jahr noch die Musterachse an der Westseite der Kirche fertiggestellt und im kommenden Jahr mit dem  1. Bauabschnitt Decken, Wände und Böden im Innenbereich des Westteiles mit einer Staubschutzwand nach der Orgelempore begonnen.

Besucher in Rastenberg

 

Alle erstellten Musterachsen dienen der fachlichen und konstruktiven Basis für eine Diskussion über die Gestaltung der Kirche.

Christoph Zimmermann

Zum Abschluss der Bürgerinformation sprach Christoph Zimmermann, Referent für Orgeln der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, über den Stand der Orgelsanierung. Aufgrund der baulichen Maßnahmen innerhalb und an der Kirche werden die Arbeiten an der Orgel erst 2018 beginnen. Hier dann die Restaurierung der Orgelkammer mit den Inschriften der Rastenberger und des Orgelprospektes .Unterstützt durch Fördergelder und von Forschungsmitteln soll darüber hinaus versucht werden die Windanlage der Orgel in den originalen Zustand zurückzuführen. Der Wind innerhalb der Orgel wird seit den 1930‘er Jahre von einen Gebläse erzeugt. Die damit einhergehende bauliche Veränderung ist aber nicht typisch für eine solche Orgel dieser Zeit. Neben dem Gebläse besitzt die Rastenberger Orgel ihren ursprünglichen Balgantrieb. Durch ein neues Antriebskonzept, um Beispiel über einen Linearantrieb, kann der ursprüngliche Balgantrieb genutzt werden. Für die Erforschung dieses Antriebs werden gerade Möglichkeiten der Förderungen geprüft. Dieses Konzept ist einmalig und könnte als Referenz dienen für viele andere Orgeln weltweit.

Innenraum Kirche Rastenberg

Wohin es gehen wird, ist nun deutlicher geworden. In den kommenden Jahren werden die Kirchgemeinde und der Orgelförderverein, dessen Vereinszweck auf das Gesamtvorhaben erweitert wurde, gemeinsam an dem Konzept und der Gestaltung der Kirche arbeiten. In diesem Sinne „Domine, quo vadis?” (Johannesevangelium 13, 36; nach der Einheitsübersetzung: „Herr, wohin willst du gehen?”).

 

Jens Nürnberger